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Tag 1.649

Sonntag, 04.09.2011 um 10:00 Uhr

Besichtigungstour in der VW-Hochburg……….

Eigentlich stand Wolfsburg gar nicht auf meinem Zettel. Mit Hannover, Löhningen und Bad Pyrmont hatte ich in diesem Jahr schon genug Premieren zu verkraften. Aber netterweise hat Silke ihren Gutschein für den Marathon in Wolfsburg im Streakrunner-Forum verschenkt. Also auf in die Volkswagen-Hochburg.

Das Programm vom Anreisetag am Freitag mussten wir leider wegen Staus auf der Autobahn bei Braunschweig verschieben. Also keine Startunterlagen mit der obligatorischen Eintrittskarte für die Autostadt, sondern direkt ins Hotel. Aufgrund der über 3 stündigen Anfahrt haben wir dann auch nur eingecheckt und direkt im Hotel gegessen. Am nächsten Tag wollten wir am Vormittag die Wolfsburger City unter die Lupe nehmen, die Startunterlagen nebst Gutscheinen abholen und dann zur Autostadt. Leider waren wir nach 1,5 Stunden schon mit der Innenstadt durch. So fuhren wir halt vor der Startunterlagenabholung zum Besichtigungsschwerpunkt. Nach einer 3,5 stündigen Tour durch die Mobilitäts-City sind wir zur VFL-Halle gefahren. Die Abholung der Startunterlagen verlief dieses Mal alles andere als reibungslos. Das war bereits der leise Vorgeschmack auf die Schrecken nach dem Marathon. Dazu später aber mehr. Zuerst wussten die netten Helfer nicht, was sie mit dem Gutschein anstellen sollten. Zu allem Überfluss ist meine Chip-Nummer bei der Ummeldung nicht registriert worden. Da ich meinen Chip bereits am Schuh hatte und dieser sich im Hotel befand, sollte ich einen Leihchip nehmen. Was ich natürlich ablehnte. Einer der Helfer kam dann auf die Idee, dass ich ihn vom Hotel aus anrufen könne und er sich dann auf einem Nachmeldebogen meine Chipnummer registrieren würde. Gesagt, getan.

Der Lauftag begann mit einem erneut kargen Hotelfrühstück. Danach schnell ausschecken und ins Parkhaus. Dort beendete ich meine Vorbereitungen für den Lauf. Vor dem Wettkampf ließ ich sicherhalber den Chip prüfen. Wäre ja eine Katastrophe, wenn ich den Marathon laufe und wegen der Probleme mit dem Chip nicht gewertet würde. In dem Gewusel von sehr vielen aufgeregten Läufern noch schnell meine Tasche abgeben und nach Uwe-Heinz Ausschau halten. Leider sah ich unseren Forie nicht und stellte mich zeitig nach gaaaanz hinten in den Startblock. Erstaunlich, dass nur die wenigsten Läufer zum Start gingen.

Mein Ziel heute war einfach einen schönen Lauf zu haben und ohne gesundheitliche Probleme durchzukommen. Meine Achillessehne ist leider noch nicht wieder fit. Aber als Marathoni hat man ja gewissermaßen einen Hau weg, was machen da schon kleine Schmerzen aus. Die hat man nachher sowieso beim Lauf. Gleich nach dem Start bildete sich aus den letzten Läufern eine nette 5er Gruppe, die ca. zwei Kilometer zusammen blieb. Danach liefen Daniel, Maik und ich alleine weiter. Der Marathon ging über 2 Runden und war eine sehr schöne Besichtigungs-Tour durch Wolfsburg. Zuerst liefen wir aus der Innenstadt an den Outlet-Centern vorbei in Richtung Autostadt. Dort mitten durch den riesigen Eingangsbereich der Piazza über das Außengelände zum Hotel Ritz Carlton. In der VW-Arena durften wir sogar einige Meter auf der Tartanbahn laufen. In vielen Schlenkern ging es durch einen Freizeitpark nebst Kolumbien-Pavillon, eine Runde im alten VFL-Stadion, in ein kleines Waldstück und kurz vor dem Ziel mitten über die Liegewiese eines Freibades. Wie gesagt, eine schöne Besichtigungs-Tour.

Dieser schöne Eindruck wurde auf der Strecke nur von den manchmal sehr rüden Halbmarathonis getrübt. Manche brüllten nicht nur uns Marathonis sondern auch die Helfer (WASSER!!!!!) an. Ab KM 15 bekamen wir durch die später gestarteteten Halben immer mal wieder einen Ellenbogen in die Seite. Zum Glück war diese Hektik nach der ersten Runde vorbei. Daniel hat diese Läufer schlicht als Folklore bezeichnet. Eigentlich war unser anfängliches Tempo mit einer Pace von 6:30 Minuten deutlich zu hoch. Daniel ließ als Erster bei KM 20 abreissen. Maik folgte ihm bei KM 24. Also lief ich alleine weiter. Leider nicht lange. Denn kurz vor dem zweiten Durchgang durch die Autostadt gesellte sich ein kleiner durchgeknallter Läufer zu mir. Dieser hatte eine merkwürdige Art zu laufen. Er lief immer ein paar hundert Meter voraus, dann verlangsamte er auf Schrittgeschwindigkeit und ließ mich dadurch wieder heran kommen. Als ich ihn fast passierte, sprintete er los und das Spiel begann wieder von vorne. Das ganze ging dann ca. 5 Kilometer so. Zwischendurch überholte ich ihn und gab ihm zu verstehen, dass er lieber seine eigene Geschwindigkeit laufen solle. Er grinste mich nur an und meinte, dass ich eine gute Motivation für ihn sei. Bei Kilometer 33 verschwand er zum Glück.

Körperlich machte mir zu diesem Zeitpunkt meine Kondition einen Strich durch die Rechnung und meine Achillessehne hielt. Eigentlich hatte ich vorher die Befürchtung, dass es genau anders herum kommen würde. Ab KM 28 wurde ich zusehends schlapper, meine Waden schmerzten und eigentlich wollte mein Körper nicht mehr. Aber ich war schon sehr weit gekommen und da hört man nicht einfach auf. Schließlich wartete im Ziel die Medaille und ein Erdinger. Also weiter geht es! Unterwegs wurde ich immer wieder von den vielen Helfern unterstützt und angefeuert. Kurz vor dem Ziel hatte ich dann wieder sehr emotionale Momente und ich überholte noch einen Läufer. Seltsam kam mir nur vor, dass der Sprecher mehr Notiz von dem Bambini-Lauf als von den finishenden Marathonis nahm. Dann passierte, was ich als Finisher eines Marathons noch nie vorher erlebt habe. Es gab KEINE Medaille. Dann wenigstens ein Erdinger. Aber der Stand war bereits durch die Folklore-Läufer geleert worden. Na super, da läuft man die Königsdisziplin erfolgreich und bekommt weder eine Medaille noch ein Erdinger. Der Kuchenstand war auch leergefuttert. Es gab nur noch ISO, Wasser, Bananen und Äpfel. Sehr enttäuscht machte ich mich auf den Weg zur Dusche, um diesen Ort so schnell wie möglich zu verlassen.

Fazit: Schöne Strecke und viele nette Helfer. Der Veranstalter sollte diesen Lauf aber nicht mehr Marathon nennen. Nicht nur ich, sondern auch viele Zuschauer hatten eher das Gefühl, einem Volkslauf beizuwohnen und keiner Marathon-Veranstaltung.

Strecke: 42,195 km
Zeit: 5 Stunden, 17 Minuten und 37 Sekunden
Pace: 7 Minuten und 28 Sekunden
Wetter: überwiegend bewölkt, Wind SO, 2 m/s, 22 Grad

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